FAQ

WORUM GEHT ES IN DER KAMPAGNE?

Wir setzen uns dafür ein, dass Maßnahmen ergriffen werden, die Arktis zu schützen. Wir fordern ein globales Schutzgebiet in der Region (d.h. den internationalen Gewässern) rund um den Nordpol sowie Verbote gegen Offshore-Ölbohrungen und nicht-nachhaltige Fischerei in allen arktischen Gewässern.

WAS IST EIN GLOBALES SCHUTZGEBIET?

Das Schutzgebiet wäre ein vollumfänglich geschütztes Meeresschutzgebiet ohne Ölförderung und industriellen Fischfang. Es gäbe strikte Umweltregeln für die Schifffahrt. Das geschützte Gebiet würde das Ozeanbecken der zentralen Arktis umfassen, also die Hochseeregion außerhalb der exklusiven Wirtschaftszone der Arktis-Anrainerstaaten.

WAS KANN ICH TUN UM DER KAMPAGNE ZU HELFEN?

Als erstes und falls noch nicht geschehen: Unterzeichne die Petition auf www.savethearctic.org! Überzeuge möglichst viele Freunde, ebenfalls zu unterschreiben, und teile die Petition mit so vielen Leuten wie möglich! Wir nehmen es mit den mächtigsten Ländern und Konzernen der Welt auf, das wird nicht ganz leicht. Nur wenn wir Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind, haben wir eine Chance.

WELCHE ROLLE SPIELEN DIE ARKTIS-ANRAINERSTAATEN?

Die Anrainerstaaten der Arktis tragen gemeinsam eine riesige Verantwortung, die Arktis zu schützen. Die Seerechts-Konvention der Vereinten Nationen schenkt dem Binnenmeer und eisbedeckten Wasser sogar besondere Aufmerksamkeit und appelliert an die Nationen für ihren Schutz zusammenzuarbeiten. Internationales Recht verlangt von den Staaten also, genau das zu tun, was wir von ihnen verlangen. Politiker in der Arktis müssen endlich aufwachen, Verantwortung übernehmen und Maßnahmen ergreifen. In vielen Staaten der Arktis verlangen Menschen von ihren Regierungen, endlich mehr zu unternehmen. Erst kürzlich hat eine Umfrage ergeben, dass in den Arktisstaaten Ölbohrungen und schwere Industrie in der Arktis mehrheitlich abgelehnt werden. Durch die Größe und Stärke unserer Bewegung erhöhen wir den Druck und zwingen die Politiker zum Handeln.

DIE ARKTIS ZÄHLT VIER MILLIONEN EINWOHNER. WIRD DAS SCHUTZGEBIET IHREN LEBENSRAUM ÜBERDECKEN?

Wir verlangen kein internationales Schutzgebiet auf der Gesamtfläche der Arktis — und wir fordern kein Verbot von jeder Art von Fischerei. Wir verlangen ein Schutzgebiet in der sogenannten hohen Arktis. Das ist die bislang keinem Staat zugehörige Region rund um den Nordpol - eine Gegend, in der keine Menschen leben und die mit dem Abschmelzen des Eises zunehmend unter Druck der Industrie gerät. In Russland sind die Folgen der Ölindustrie für die Arktis bereits sichtbar: Die Lebensgewohnheiten und die Zukunft der Menschen sind durch das "Big Oil" zerstört worden. In den restlichen Gebieten der Arktis darf so etwas nicht passieren.

Wie der Geschäftsführer von Greenpeace International, Kumi Naidoo, sagt: "Die Arktis ist einer großen Bedrohung ausgesetzt und darauf angewiesen, dass sich Menschen aus der ganzen Welt für sie einsetzen und ihren Schutz fordern. Verbote gegen Offshore-Ölbohrungen und nicht-nachhaltige Fischerei in bislang nicht befischten Gewässern wären eine große Errungeschaft für die Region und die vier Millionen Einwohner der Arktis. Ein Schutzgebiet im unbewohnten Gebiet rund um den Nordpol würde die Ölkonzerne auf einen Schlag daran hindern, die Arktis zu industrialisieren, ohne die Rechte der indigenen Gemeinschaften zu verletzen."

WIESO MUSS DIE ARKTIS JETZT GESCHUETZT WERDEN?

Die Arktis ist ein einzigartiger und sensibler Lebensraum. Abgesehen davon, dass sie eine einzigartige Tierwelt beheimatet, spielt die Region eine wichtige Rolle beim Regulieren des globalen Klimas. Aber die Arktis ist stark gefährdet: Durch den Klimawandel, durch Ölkonzerne, die trotz großer Risiken in den eisigen Gewässern der Arktis bohren wollen, durch industrielle Fischereiflotten und durch die Schifffahrt. Der Klimawandel und das Abschmelzen der Meereisdecke machen die Industrialisierung der Arktis möglich.

Innerhalb von 30 Jahren sind rund 75 Prozent des Meereisvolumens im Sommer verloren gegangen. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass große Konzerne auf der Suche nach Öl, wertvollen Metallen und Fischbeständen immer tiefer in die Arktis vordringen können. Dadurch werden die Gefahren durch Ölunfälle, Verschmutzungen, Unterwasserlärm, invasive Arten, Überfischung und Zerstörung des Lebensraums erhöht.

WIESO SOLL DAS SCHMELZEN DES MEEREISES FÜR MICH VON BEDEUTUNG SEIN?

"Das Abschmelzen der Arktis ist ein Problem, das uns alle betrifft. Die Arktis funktioniert in etwa wie ein gewaltiger Kühlschrank für das Klima auf der Erde. Durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen schmilzt das Eis ab, die Kühlschranktür steht damit quasi weit offen. Der Grund: Eis ist hochgradig reflektierend. Ein Großteil der Energie in Sonnenstrahlen wird vom Eis zurück ins Weltall reflektiert. Offene Gewässer dagegen reflektieren weniger Sonnenlicht und absorbieren es stattdessen. Wie ein Sonnenhut sorgt das Eis der Arktis so dafür, dass sich die Erdatmosphäre nicht aufheizt.

Eine weitere Gefahr ist die Freisetzung von Methan. In der Arktis versiegeln Eis und Permafrost Methanvorkommen und riesige Mengen toter Vegetation. Durch das Abtauen werden somit Methan und CO2 freigesetzt. Methan ist ein hochwirksames Treibhausgas, dessen kurzfristiger Wärmeeffekt um ein Vielfaches höher liegt als der von CO2. Neuerliche Freisetzungen von Methan in der Arktis haben in der Wissenschaft große Besorgnis ausgelöst, wobei mangels Daten eine Einschätzung, wie ungewöhnlich diese Geschehnisse historisch sind, schwierig ist. Wie ein Deckel über einer Suppenschüssel verhindert die Eisschicht der Arktis, dass das Meer darunter ungebremst auf die Küste trifft. Diese Schicht absorbiert die Energie großer Wellen und verhindert, dass diese gegen Strände und Klippen schlagen. Doch das Eis schmilzt und das Meer überflutet immer häufiger Küstendörfer und verursacht schwere Erosionen."

WIE WAHRSCHEINLICH IST EINE ÖLKATASTROPHE IN DER ARKTIS?

Der Betrieb von Anlagen in den eisigen Gewässern der Polargegend ist unglaublich riskant und ein Ölunfall hier hätte katastrophale Folgen. Die Ölindustrie hat bereits zugegeben, dass sie nur sehr wenig tun kann, um ein Unglück in der Größenordnung des Deepwater Horizon-Blowout zu verhindern. Ein solches Unglück würde das einzigartige Ökosystem und die indigenen Völker, die von diesem Ökosystem abhängen, schwer schädigen. Nur aufgrund des Rückgangs von arktischem Meereis sind große Ölkonzerne wie Shell überhaupt dazu in der Lage, leichter in neue Ölfördergebiete vorzudringen. Es ist Wahnsinn, dass diese Konzerne das Verschwinden der Eisschicht als Profitmöglichkeit begreifen - und nicht als eindringliches Warnzeichen.

Die extrem tiefen Temperaturen, die Gefahren durch driftende Eisberge, die geringe Sichtweite und die Abgeschiedenheit vieler Ölfelder in der Region sorgen für ein hohes Risiko eine Ölunfalls. Einige Eisberge werden wahrscheinlich zu groß sein, um von den Bohrschiffen ferngehalten werden zu können. In diesem Fall müssten die Bohreinrichtungen kurzfristig aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Kommt es zu einem Blowout oder Leck, könnte ein weitere Bohrplattform Monate brauchen, um sogenannte Entlastungsbohrungen durchzuführen (oft die einzige Möglichkeit bei solch einem Ereignis). Wenn das Leck nicht geschlossen werden kann, bevor der arktische Winter Einzug hält und sich die Eisdecke schließt, könnte das Öl den ganzen Winter hindurch entweichen, unter dem Eis eingeschlossen werden, und möglicherweise bis zu zwei Jahr ungehindert ausströmen.

Die für die Bodenschätze des Landes zuständige US-Behörde rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:5, dass es über die Dauer der nur für  eine kleine Fläche ausgestellten Lizenzen in Alaska zu einem größeren Unglück kommt. Ein Unglück im Ökosystem der Arktis hätte noch ernstere Folgen als in den warmen Gewässern des Golfs von Mexiko.

WAS WÜRDE MIT DER TIERWELT PASSIEREN?

Die Auswirkungen eines Ölunfalls für die arktische Tierwelt wären verheerend und beinhalten langfristige Folgen für Eisbären, denen die Heimat unter den Tatzen wegschmilzt, für Narwale, Polarfüchse, Eulen, Schwertwale und Brutkolonien von Papageitauchern und Tordalken. Meeressäuger wie Robben und Walrosse könnten über die Nahrungskette in Mitleidenschaft gezogen werden.

Allein die Küstenlinie Alaskas erstreckt sich über etwa 65000 Kilometer - mehr als in allen übrigen US-Staaten zusammen - und ein Ölunfall hätte katastrophale Auswirkungen auf Tierwelt und Fischerei in der Gegend. Die Region ist der wichtiger Lebensraum vieler Spezies, die es sonst nirgendwo in den USA zu finden gibt - wie den Eisbären, verschiedene Robbenarten, den Grönlandwal, zahlreiche Fischarten und Vögel wie die Eiderente und den Gerfalken.