Ölbohrungen, industrielle Fischerei und Kriege bedrohen die Arktis. Du kannst sie beschützen!

FAQ

Worum geht es in der Kampagne?

Wir wollen mit der Kampagne dafür sorgen, dass die Arktis geschützt wird. Wir brauchen ein internationales Schutzgebiet um den Nordpol herum (diese Region wird auch "hohe Arktis" genannt) und für das weitere Gebiet der Arktis Verbote gegen Ölbohrungen und industrielle Fischerei.

Was ist ein internationales Schutzgebiet?

Ein internationales Schutzgebiet unter UN-Protektion markiert eine Sperrzone für Verschmutzer - einen Bereich allein für Wissenschaft und Forschung. In der Antarktis - am anderen Ende der Erde - ist ein Weltpark eingerichtet worden, um zu verhindern, dass zerstörerische Industrien dort Einzug halten. Beim Schutz der Antarktis in den 1990er Jahren hat Greenpeace eine Schlüsselrolle gespielt. Vergleichbaren Schutz brauchen wir auch für die Arktis! Derzeit gehört die Arktis niemandem, sie ist als Hochsee klassifiziert, aber Anrainerstaaten reklamieren das Gebiet für sich. Sie wollen es für Industrien zugänglich machen. Bevor Länder und Konzerne die Arktis in Besitz nehmen, wollen wir die Arktis für alles Leben auf der Erde sichern.

Und der erste Schritt dahin wäre eine UN-Resolution?

Jedes Jahr im September treffen sich im UN-Hauptsitz in New York die einflussreichsten Politiker der Welt. Wir wollen, dass sie eine UN-Resolution verabschieden, in der die internationale Sorge um die Arktis zum Ausdruck kommt. Das heißt: Wir müssen mehr als die Hälfte aller Regierungen weltweit von der Notwendigkeit überzeugen. Eine Resolution bei der UN-Hauptversammlung könnte den Druck erzeugen, den wir brauchen, damit ein Schutzgebiet eingerichtet wird und Ölbohrungen und Industriefischerei in der Arktis verboten werden.

Wie werdet ihr meinen Namen an den Nordpol mitnehmen?

Die Namen der 2,7 Millionen Arktisschützer, die die Petition bislang unterzeichnet haben, werden von Greenpeace an den Nordpol gebracht. Im April 2013 werden wir auf die Expedition in den hohen Norden aufbrechen. Die Liste mit den Namen werden wir in einer Zeitkapsel durch vier Kilometer Eis und gefrierendes Wasser auf den Meeresgrund absenken. Egal, wo du bist, mit deinem Namen am Nordpol trittst du für den Schutz dieser einzigartigen Region ein.

Was ist die Flagge der Zukunft?

Wenn wir die Zeitkapsel am Nordpol absenken, werden wir den Ort mit einer ganz besonderen Flagge markieren. Diese Flagge steht für unser gemeinsames Engagement für den Schutz der Arktis und für Frieden, Hoffnung und globale Gemeinschaft. Greenpeace hat mit dem Weltverband der Pfadfinderinnen (WAGGGS) einen Wettbewerb durchgeführt, um das Design für die Flagge zu finden. Der Wettbewerb lief bis zum Februar 2013. Eine Jury, der auch Modeikone Vivienne Westwood angehörte, entschied über das Sieger-Design. Mehr Informationen zum dem Wettbewerb erhälst du unter www.flagforthefuture.org

Wann findet die Expedition zum Nordpol statt - und wie kann ich sie verfolgen?

Die Expedition wird im April 2013 stattfinden und etwa fünf Tage dauern. Die Teilnehmer sind Repräsentanten aus aller Welt, über deren Erlebnisse wir euch auf greenpeace.deauf dem Laufenden halten!

Wie befestigt ihr die Kapsel auf dem Meeresgrund?

Wir haben mit der Hilfe von Experten eine Kapsel konzipiert, die die Zeit überdauern wird, ohne die marine Umwelt in der Arktis zu beeinträchtigen. Die Kapsel aus Glas wird die Form einer Kugel und einen Durchmesser von ca. 40 cm haben. Sie wird unbeweglich am Meeresgrund liegen, komplett giftfrei sein und dank ihrer Form keine Gefahr für Tiere darstellen. Die Liste der Namen im Innern der Kapsel wird ebenfalls auf Glas geschrieben. Wir wollen die Kapsel im Jahr 2050 wieder bergen - bis dahin wird sie in Harmonie mit ihrer Umgebung friedlich unter dem Eis schlummern und für künftige Generationen erhalten bleiben.

Was wollt ihr mit der Kapsel eigentlich erreichen? Ist die Aktion nicht rein symbolisch?

Mit der Unterschriftenliste geben wir normalen Bürgern den Anspruch auf die Zukunft der Arktis. Die Liste ist ein Symbol für eine internationale Gemeinschaft, die die Gier großer Konzerne und kurzsichtige nationale Interessen überwinden kann.

Die Länder, die die Arktis ausbeuten wollen, wissen, wie wichtig Symbole sind. Deshalb hat der Forscher Artur Chillingarov im Jar 2007 eine russische Flagge am Meeresgrund des Nordpols aufgestellt. Wenn Menschen unsere Kampagne unterzeichnen und wir ihre Unterschrift zum Nordpol mitnehmen, treten sie mit ihrem Namen gegen diese Ausbeutung ein.

Was passiert danach mit der Unterschriftenliste?

Wir wollen die Zeitkapsel im Jahr 2050 bergen. Dann werden wir wissen, wie die Menschen mit der Gefahr des Klimawandels umgegangen sind. Wissenschaftler sagen, dass die Menschen bis 2050 ihre CO2-Emissionen um rund 80 Prozent absenken müssen, damit die schlimmstmöglichen Folgen der globalen Erwärmung noch vermieden werden.

Die Kapsel ist so gebaut, dass sichergestellt wird, dass sie die Jahrzehnte am Boden des Nordpols übersteht, ohne die Umwelt zu belasten. Sie wird unbeweglich und giftfrei sein.

Wie kann ich die Kampagne unterstützen?

Zuallererst: Unterschreibe unsere Arktis-Petition! Überzeuge auch deine Freunde und deine Familie mitzumachen und empfehle den Kampagnenfilm weiter! Hilf' uns soviele Menschen wie möglich zu mobilisieren! Wir legen uns mit den weltweit mächtigsten Regierungen und Konzernen an, es wird nicht leicht, aber mit vereinten Kräften können wir unser Ziel erreichen!

Aber die arktischen Staaten wollen nicht, dass wir Erfolg haben, oder? Wollen sie nicht die Arktis ausbeuten?

Die arktischen Staaten haben die große Verantwortung, die Arktis zu schützen. Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen umfasst ausdrücklich Binnenmeere und mit Eis bedeckte Gewässer und ruft die Nationen zum Schutz der Umwelt zur Zusammenarbeit auf. Mit anderen Worten: Wir verlangen nur, was internationales Recht ist. In den Hauptstädten der arktischen Länder ist politischer Wille gefordert - und da kommen wir ins Spiel. Durch die Stärke unseres Anliegens und unsere große Zahl werden wir es schaffen, die Einstellungen in diesen Ländern zu ändern und Regierungen zum Handeln zu bewegen.

Vier Millionen Menschen leben in der Arktis. Wird das Schutzgebiet ihre Gebiete miteinschließen?

Mit dieser Bewegung wollen wir nicht die ganze Arktis zu einem Schutzgebiet machen - und wir fordern kein Verbot von jeder Art von Fischerei. Wir verlangen ein Schutzgebiet in der sogenannten hohen Arktis. Das ist die bislang keinem Staat zugehörige Region rund um den Nordpol - eine Gegend, in der keine Menschen leben und die mit dem Abschmelzen des Eises zunehmend unter Druck der Industrie gerät.

In Russland sind die Folgen der Ölindustrie für die Arktis bereits sichtbar: Die Lebensgewohnheiten und die Zukunft der Menschen sind durch das "Big Oil" zerstört worden. In den restlichen Gebieten der Arktis darf so etwas nicht passieren.

Greenpeace-Geschäftsführer Kumi Naidoo sagte: "Die Arktis wird angegriffen und ist darauf angewiesen, dass sich Menschen aus der ganzen Welt dagegen erheben und ihren Schutz einfordern. Das Verbot von Offshore-Ölbohrungen und industrieller Fischerei wäre ein großer Sieg gegen die Kräfte, die sich gegen die Arktis und die vier Millionen Menschen in der Arktis verschworen haben. Und ein Schutzgebiet in der unbewohnten Gegen rund um den Nordpol würde schlagartig eine Kolonisierung der Spitze der Welt durch die Industrie abwenden ohne dabei die Rechte der indigenen Bevölkerung zu verletzen."

Warum muss die Arktis gerade jetzt geschützt werden?

Die Arktis ist ein einzigartiges und sensibles Ökosystem. Sie ist nicht nur die Heimat vieler verschiedener Tierarten, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt, sondern auch für das Weltklima von entscheidender Bedeutung. Aber die Arktis ist in Gefahr - durch den Klimawandel, Ölbohrungen, industrielle Fischerei und Schifffahrt: Probleme, die allesamt durch das Abschmelzen des Eises verursacht werden. In nur dreißig Jahren sind gut 75 Prozent des arktischen Meereises verloren gegangen (gemessen am Volumen im Sommer). Das Eis schmilzt und Unternehmen dringen vor, um Öl, wertvolle Metalle und die Fischbestände der Arktis auszubeuten. Sie warten darauf, dass sie bald auch die Nordroute nutzen können, um Schifffahrtswege abzukürzen. Die Folge: Gefahren durch Ölunfälle, Verschmutzung und Unterwasser-Lärm, Überfischung, Zerstörung von Lebensraum und Einschleppung von fremden Tier- und Pflanzenarten.

Was bedeutet das Abschmelzen der Arktis für mich persönlich?

Das Abschmelzen der Arktis ist ein Problem, das uns alle betrifft. Die Arktis funktioniert in etwa wie ein gewaltiger Kühlschrank für das Klima auf der Erde. Durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen schmilzt das Eis ab, die Kühlschranktür steht damit quasi weit offen. Der Grund: Eis ist hochgradig reflektierend. Ein Großteil der Energie in Sonnenstrahlen wird vom Eis zurück ins Weltall reflektiert. Offene Gewässer dagegen reflektieren weniger Sonnenlicht und absorbieren es stattdessen. Wie ein Sonnenhut sorgt das Eis der Arktis so dafür, dass sich die Erdatmosphäre nicht aufheizt. Eine weitere Gefahr ist die Freisetzung von Methan. In der Arktis versiegeln Eis und Permafrost Methanvorkommen und riesige Mengen toter Vegetation. Durch das Abtauen werden somit Methan und CO2 freigesetzt. Methan ist ein hochwirksames Treibhausgas, dessen kurzfristiger Wärmeeffekt um ein Vielfaches höher liegt als der von CO2. Neuerliche Freisetzungen von Methan in der Arktis haben in der Wissenschaft große Besorgnis ausgelöst, wobei mangels Daten eine Einschätzung, wie ungewöhnlich diese Geschehnisse historisch sind, schwierig ist.

Wie ein Deckel über einer Suppenschüssel verhindert die Eisschicht der Arktis, dass das Meer darunter ungebremst auf die Küste trifft. Diese Schicht absorbiert die Energie großer Wellen und verhindert, dass diese gegen Strände und Klippen schlagen. Doch das Eis schmilzt und das Meer überflutet immer häufiger Küstendörfer und verursacht schwere Erosionen.

Wie viel Öl liegt da unter der Arktis? Brauchen wir das nicht?

Das "US Geological Survey" , die amerikanischen Bundesbehörde für Rohstoffangelegenheiten, schätzt, dass in der Region etwa 13 Prozent der weltweit noch unentdeckten Ölvorräte schlummern - das sind rund 90 Milliarden Barrel. Aber das ist nur eine Schätzung - niemand "weiß", wieviel Öl es in der Arktis gibt oder ob es möglich ist, es zu fördern. Den Ölbedarf der gesamten Welt könnte diese Menge drei Jahre lang stillen - unter Inkaufnahme einer Kolonisierung der Arktis durch verschmutzende Industrien. Stattdessen sollten wir in grüne Technologien investieren, so dass unsere Autos langfristig von erneuerbaren Energien betrieben werden können und kurzfristig sehr viel weniger Öl verbrauchen.

Wie wahrscheinlich ist ein Ölunfall in der Arktis?

Der Betrieb von Anlagen in den eisigen Gewässern der Polargegend ist unglaublich riskant und ein Ölunfall hier hätte katastrophale Folgen. Die Ölindustrie hat bereits zugegeben, dass sie nur sehr wenig tun kann, um ein Unglück in der Größenordnung des Deepwater Horizon-Blowout zu verhindern. Ein solches Unglück würde das einzigartige Ökosystem und die indigenen Völker, die von diesem Ökosystem abhängen, schwer schädigen.

Nur aufgrund des Rückgangs von arktischem Meereis sind große Ölkonzerne wie Shell überhaupt dazu in der Lage, leichter in neue Ölfördergebiete vorzudringen. Es ist Wahnsinn, dass diese Konzerne das Verschwinden der Eisschicht als Profitmöglichkeit begreifen - und nicht als eindringliches Warnzeichen.

Die extrem tiefen Temperaturen, die Gefahren durch driftende Eisberge, die geringe Sichtweite und die Entlegenheit der Region sorgen für ein hohes Risiko eine Ölunfalls in dem Teil der Arktis, in dem Shell bohren will. Einige Eisberge werden wahrscheinlich zu groß sein, um von den Bohrschiffen ferngehalten werden zu können. In diesem Fall müssten die Bohreinrichtungen kurzfristig aus dem Gefahrenbereich gebracht werden.

Kommt es zu einem Blowout oder Leck, könnte ein weitere Bohrplattform Monate brauchen, um sogenannte Entlastungsbohrungen durchzuführen (oft die einzige Möglichkeit bei solch einem Ereignis). Wenn das Leck nicht geschlossen werden kann, bevor der arktische Winter Einzug hält und sich die Eisdecke schließt, könnte das Öl den ganzen Winter hindurch entweichen, unter dem Eis eingeschlossen werden, und möglicherweise bis zu zwei Jahr ungehindert ausströmen.

Die für die Bodenschätze des Landes zuständige US-Behörde rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:5, dass es über die Dauer der nur für eine kleine Fläche ausgestellten Lizenzen zu einem größeren Unglück kommt. Ein Unglück im Ökosystem der Arktis hätte noch ernstere Folgen als in den warmen Gewässern des Golfs von Mexiko.

Welche Auswirkungen hätte ein Ölunfall auf die Tierwelt?

Die Auswirkungen eines Ölunfalls für die arktische Tierwelt wären verheerend und beinhalten langfristige Folgen für Eisbären, denen die Heimat unter den Tatzen wegschmilzt, für Narwale, Polarfüchse, Eulen, Schwertwale und Brutkolonien von Papageitauchern und Tordalken. Meeressäuger wie Robben und Walrosse könnten über die Nahrungskette in Mitleidenschaft gezogen werden.

Allein die Küstenlinie Alaskas erstreckt sich über etwa 65000 Kilometer - mehr als in allen übrigen US-Staaten zusammen - und ein Ölunfall hätte katastrophale Auswirkungen auf Tierwelt und Fischerei in der Gegend. Die Region ist der wichtiger Lebensraum vieler Spezies, die es sonst nirgendwo in den USA zu finden gibt - wie den Eisbären, verschiedene Robbenarten, den Grönlandwal, zahlreiche Fischarten und Vögel wie die Eiderente und den Gerfalken.

Wie real ist die Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen um die Arktis?

Niemand behauptet, dass ein Krieg um die Arktis unmittelbar ausbrechen könnte. Doch kommt es in der Arktis mit der Ausbreitung von Industrien auch zu einer verstärkten militärischen Präsenz.

Ein Report hat davor gewarnt, dass eine Zuspitzung des Konflikts die Stabilität der Region bedroht. Dem Report ("Klimawandel und internationale Sicherheit: die Arktis als Gradmesser") zufolge, ist die steigende Anzahl militärischer Einheiten eher auf eine zunehmende Bereitschaft zu Kampfeshandlungen zurückzuführen als auf Sicherung.

Der Report, veröffentlicht von der US-amerikanischen Non-Profit-Organisation "Centre for Climate and Energy Solutions (C2ES)", warnt: "Obwohl das Bemühen um Kooperation offiziell Vorrang hat, haben die meisten arktischen Nationen damit begonnen, ihre militärischen Einsatzmöglichkeiten in der Region neu aufzubauen und zu modernisieren. Die neuen militärischen Programme sind auf Kampfhandlungen ausgerichtet, die bloße polizeiliche Befähigungen übersteigen." Und weiter: "Staaten wie Norwegen und Russland sind dabei, neue Marineeinheiten aufzubauen, die in hochintensiven Konflikten eingesetzt werden können. Zwar könnte diese Befähigung als umsichtig aufgefasst werden. Doch wenn Konkurrenten mit komplexen Waffensystemen eingeschüchtert oder unterdrückt werden können, könnte das Diplomatie und Stabilität in der Region unterminieren."